Die Stadt ruft – Ausflug nach Züri

Mittwoch, 20. Juli 1977 

Die Julitage sind anders als alle anderen im Jahr, dachte sich der Bub. Es ist der heisseste Monat. Der Bub zieht weiter seinen Rechen hinter sich her. Er macht das schon den ganzen Nachmittag. Es sei Heuwetter, hatte sein Vater am Morgen gesagt. Wie’s Wetter an St. Margaret, dasselbe noch vier Wochen steht. Hatte sein Vater am Mittag gesagt. Aber wenn es doch noch vier Wochen so heiss bleibt, warum müssen sie den heute heuen!

Der Bub fragt sich, ob die Menschen im fernen Zürich wohl auch heuen müssen. Er war noch nie in Zürich. Sein Onkel hatte ihm einmal gesagt, es seien genau 50 Kilometer nach Zürich, zu Fuss. Man hätte aber sicher 10 Stunden, denn niemand könne mehr als 5 Kilometer die Stunde laufen. Ausser man rennt. Aber wer rennt denn schon 50 Kilometer, fand sein Onkel.

Der Bub rechnete wie viele Kilometer er den ganzen Nachmittag gelaufen war. 10 mal 70 Meter und 10 mal 50 Meter. 1.2 Kilometer. Er fand, das sei gar nicht so viel.

Die Julitage sind anders als alle anderen im Jahr, nur schon weil Schulferien sind. Der Bub wusste, wenn er jetzt 1.2 Kilometer ins Dorf Schwyz laufen würde, käme er exakt beim Schulhaus Herrengasse an. Von dort wären es dann nur noch 48.8 Kilometer bis nach Zürich.

Der Bub rechnete viel. Er tat dies am Liebsten. Wenn er gross sei, wolle er auf einer Bank arbeiten. Am besten bei der Sparkasse. Denn dann müsste er 100 Meter weniger weit laufen als bis zur Schule.

Der Bub war oben an der Strasse angelangt, als er hörte wie sein Vater, den alle Hagniföhn nannten, fluchte. Erst dann merkte der Bub, dass er den Rechen, es war ein Heurechen mit Holzzinken und dreifach gegabelter Stiefelbefestigung, durch das noch ungemähte Gras gezogen hatte.          

                                                                                                                                                                                             J. A. Klappermann – „Die Stadt ruft“, Höhenweg-Verlag

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